Die Geschichte des Shinigami Will - Teil 4

Die Geschichte des Shinigami Will - Teil 4

20.09.2012 18:59

Jetzt habt ihr lange nichts mehr von Will, Chris und Grell gehört, da ich einige Probleme hatte und jetzt immer wieder zwischen den Seiten herspringen muss... Entschuldigt die lange Wartezeit!
Will findet mehr über seinen und Grells Todeskandidaten heraus und gewinnt eine wichtige Erkenntnis.


Will gähnte. Er hatte kaum geschlafen in dieser Nacht; um Thomas Wallis noch rechtzeitig abzufangen, musste er so früh wie möglich aufstehen – schließlich hatte er keinen geringsten Hinweis auf dessen Berufung. So hatte er beschlossen, um fünf Uhr aus dem Haus zu gehen.
Und hier war er nun. Er stand auf einem Dach eines hohen Hauses, von dem aus er eine ziemlich gute Aussicht auf Thomas Wallis´ Wohnung hatte. Es war ein Wirtshaus mit einigen mietbaren Zimmern, die recht klein waren, aber doch genug Platz für eine Person boten. Viel mehr wusste Will noch nicht über ihn.
Das sollte sich aber sehr bald ändern; er sah, wie der frisch geduschte – wie man an den nassen Haaren erkennen konnte, die ihm am Hals klebten –Thomas Wallis das Fenster öffnete und die frische Luft einsog. Er strahlte. Ein von Natur aus fröhlicher Mensch.
Jetzt hieß es, gut aufzupassen. Will durfte ihn nicht verpassen, wenn er das Haus verließ, und musste ihm dann über die Hausdächer folgen. Nur so konnte er unentdeckt bleiben.
Also sah Will ihm zu, wie er das Fenster wieder schloss, dann heftete er seinen Blick auf die sparsam beschriftete Tür des Wirtes und wartete. Nachdem er seine Gedanken einige Minuten lang zwischen seiner Vorgehensweise, dem seltsamen Chris Corner und ihr schweifen hatte lassen, sah er, wie die Tür geöffnet wurde und Thomas Wallis heraustrat. Er schloss die Augen, reckte seinen Kopf in den Himmel und verweilte für einen Augenblick. Er trug ein beigefarbenes Hemd aus Leinen, eine braune dicke Hose und Stiefel aus hellem, weichen Tierleder. Außerdem saß auf seinem weißblonden Kopf ein Hut mit einer seltsamen Form, den man auch als Kappe oder Mütze bezeichnen könnte. Will wunderte sich, dass er mit dieser leichten Bekleidung nicht fror. Vielleicht tat er das doch, aber ihm war nichts anzumerken.
Jetzt ging er los. Will drehte seinen Kopf aufmerksam in die Richtung, die er einschlug. Dann bewegte er sich zügig nach links und sprang auf das nächste Dach. Es war etwas tiefer, aber lange nicht so tief, dass Will sich Sorgen machen müsste, entdeckt zu werden. Noch ging Wallis glücklicherweise geradeaus, sodass Will ihm einfach folgen konnte, indem er sich langsam von Hausdach zu Hausdach bewegte. Er war gerade so nah, dass er hören konnte, wie er fröhlich vor sich hin pfiff. Was für eine sinnlose Beschäftigung. Er hätte während des Gehens seinen Tagesplan noch einmal durchgehen können, wie Will es immer machte.
Jetzt bog er in eine kleine Seitengasse ab, jedoch stand Will auf einem Dach auf der anderen Straßenseite. Aber er wusste immer alles. Er rannte über die Dächer, bis er am Ende der Straße angelangt war und über ein Haus um die Ecke und somit auf die andere Seite der Straße gelangte. Jetzt musste er nur noch den Weg zurück laufen, und dann... musste er schnellstens nach unten kommen. Während er über die Hausdächer flog, überlegte er, wie er es unauffälig machen könnte, aber... dann erinnerte er sich wieder, dass in den Vorschriften nichts von Geheimhaltung gestanden hatte. Er stand jetzt am Rand eines Dachs, das tief lag. Perfekt. Will hob einen Fuß vor den anderen und sprang. So, wie er es oft geübt hatte, um sich auf Augenblicke wie diesen vorzubereiten, wenn er besonders schnell von einem Ort zum anderen musste. Wahrhaftig, Will war immer perfekt vorbereitet.
Sobald er auf den harten Pflasterstein traf, rannte er weiter, so schnell er konnte. Er achtete nicht auf die wenigen Menschen, die ihm verdutzt nachstarrten. Es stellte sich bald heraus, dass die kleine Seitengasse nicht wirklich eine Gasse war; sie war nur einige Meter lang und führte dann auf einen großen Marktplatz mit einer Kirche. Vergeblich versuchte Will, Thomas Wallis zu erspähen, aber er hatte ihn verloren. Entmutigt ließ er die Arme sinken und an seinem Körper entlang schlaff herunterhängen. Diesmal hatte er versagt. Das durfte nicht noch einmal passieren.
Und plötzlich sah er etwas rot aus der Menge aufblitzen. Will konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Er lief zügig durch die Menschenmenge, bis er bei Sutcliff angelangt war.
„Na, jetzt schon die Fährte verloren?“, fragte er und fuhr sich durchs Haar. „Das ist ein schlechtes Zeichen. Du wirst es nicht schaffen mit solchen B-Fähigkeiten.“
Als Will ihn nervös ansah, nickte er mit dem Kopf nach rechts: „Da lang.“
Er ging schnell, aber elegant, in die Richtung, die er gezeigt hatte, und Will folgte ihm in schnellem Tempo.
„Huch?“, machte... Grell. So sollte Will ihn nennen. „Zu schade. Ich kann ihn nicht mehr sehen.“ Er öffnete die Lippen zu einem verschwörerischen Grinsen, das Will daran erinnerte, dass er raubtierzähne besaß. „Wir müssen wohl die Initiative ergreifen.“ Mit diesen Worten packte er Will am Arm, sprang an einer Hauswand hoch und stieß sich davon ab. Bevor er an der Hauswand direkt gegenüber abprallen konnte, stieß er sich auch von dieser ab und sprang so mit dem benommenen Will am Arm zwischen zwei Wänden hin und her, immer höher, bis beide schließlich auf dem Dach des rechten Hauses standen. Grell ließ Will keine Zeit zum Verschnaufen; er zog ihn unsanft am Arm vorwärts, während er auf das nächste Dach sprang. Will befreite sich aus Sutcliffs grobem Griff und flog ihm hinterher. Wie er so unbekümmert Gefahr lief, einen schwerwiegendes Fehler zu begehen, brachte ihn aus dem Konzept. Wie konnte er nur ein solches Risiko eingehen? Wobei... war das vielleicht der Grund, warum er ein Dreifach-A in der Praktik bekommen hatte? Musste man als Shinigami einfach handeln, ohne nachzudenken oder alles zu planen? Sollte man das Meiste dem Zufall überlassen und es einfach noch einmal versuchen, wenn es missglückte?
„Da ist er“, rief Grell triumphierend. Er keuchte nur ein klein wenig. Und tatsächlich: Thomas Wallis betrat gerade ein kleines Gebäude, das sich in verschnörkelten Buchstaben Druckerei nannte.
Eine Druckere. Natürlich. Jemand, der ein Autor werden wollte, wählte auch einen entsprechenden Beruf.
Will warf Grell einen eindeutigen Blick zu, dann sprangen sie beide vom Dach; Sutcliff graziös und dramatisch, Will kerzengerade und sicher. Sie nickten sich kurz zu, dann stellten sie sich an ein Fenster, das von einer harten Schmutzkruste überzogen war. Man hatte von dort aus eine mittelmäßig gute Sicht auf einen kleineren Raum, der voller Druckerpressen stand. Die Tür öffnete sich und Thomas trat ein. Er schleuderte seine kleine Tasche in eine Ecke neben der Tür, dann schlurfte er zu einem der Geräte.
Nachdem Will und Grell ihm einige Zeit beim Arbeiten zugesehen hatten, erhob sich Sutcliff aus seiner gebeugten Haltung – die er eingenommen hatte, um nicht entdeckt zu werden – und streckte sich. „Ich glaube, wir haben für heute genug gesehen.“
Will sah ihn ungläubig an. Das sollte alles sein? Nein. Sie mussten warten, bis er sein Mittagspause hatte, und ihn dann weiter beobachten. Was er in seiner Freizeit tat, sagte oft mehr über einen Menschen aus man dachte. Er erklärte dies Grell. Überraschenderweise zeigte der sich verständnisvoll und willigte ein. Und dann dämmerte es Will: wie ermüdend die Abschlussprüfung werden würde.

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  • Erstellt von Broitney In der Kategorie Allgemein am 20.09.2012 18:59:00 Uhr

    zuletzt bearbeitet: 20.09.2012 19:13
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